Die Trauer         

 

Hier möchte ich aufschreiben, wie ich die Zeit der Trauer um Belindas Tod verbringe.

Als ich erfuhr das Belinda nicht mehr lebt, konnte ich es erst gar nicht realisieren. Ich bekam zwei Nächte lang Antidepressiva, so daß ich zusätzlich wie betäubt war. Die ersten zwei Wochen nach der Geburt hatte ich massive Schlafprobleme und habe noch ca. 1 Woche lang vorm Einschlafen Baldriankapseln genommen. Dadurch konnte ich zumindestend einschlafen, allerdings bin ich nachts immer wieder wach geworden und hatte das Gefühl nach meinem Baby schauen zu müssen. ich bin dann öfters aufgestanden und durch die Wohnung gelaufen, als ob ich sie suchen würde. Außderm mußte ich nachts ständig zittern, wenn ich aufwachte. Ich weiß nicht ob das an der Hormonumstellung oder an der Trauer lag oder vielleicht beides; es war schrecklich. Ich kann zwar jetzt, nach 3 Monaten schon besser schlafen und das Zittern hat glücklicherweise schon lange aufgehört, aber aufwachen tue ich trotzdem manchmal noch. Ich schlafe oft sehr lange, habe mich nach dem Mutterschutz noch krankschreiben lassen. Diese Ruhe tut mir gut und ich muß doch weniger daran denken, als wenn ich wach bin. Ich denke zwar so schon etwas weniger an sie, als nach dem schlimmen Ereugnis, aber die meiste Zeit denke ich doch an mein Baby und vermisse sie total. Ich glaube das wird auch noch eine Weile dauern.

Nach der Zeit des Schocks folgte eine Zeit des Sichbewußtwerdens das Belinda nicht mehr lebt und das ich nicht mehr schwanger war. Schlimm waren aber, daß  man trotzdem noch die ganzen Symptome von der Schwangerschaft spürte (Bauchziehen, Probleme beim Sitzen, schlaffer und schwabbeliger Bauch, Ziehen in der Brust und Milcheinschuß trotz Medikamente) und dann auch noch die Hormonumstellung. Alles Symptome, die eine Mutter mit lebendigen Kind auch hat, die aber doch eher damit umegehen kann, da sie ja dafür "belohnt" wurde. Am schlimmsten habe ich den Milcheinschuß empfunden. Ich wollte doch so gerne mein Baby stillen.

Und was auch nach einiger Zeit auftauchte war umheimliche Wut und das ständige warum? Ich habe noch immer Probleme, wenn ich schwangere Frauen und kleine Babys sehe. Es tut so weh, man hat ein unheimliches Neidgefühl, was aber wohl auch normal ist. Eigentlich hätte ich ja jetzt mein Baby im Arm.

Sehr schwierig ist aber auch das Loslassen zu lernen. Ich lasse mir dazu aber Zeit. Denn nichts Aufgedrängtes ist gut. Und weinen ist natürlich auch wichtig, und fast immer, wenn ich mich danach fühle, lasse ich die Tränen laufen. Das tut wirklich gut. Tränen haben schließlich einen Sinn: sie sollen der Seele bei der Heilung helfen.

Es ist schwer das Geschehene zu akzeptieren. Zum Trost sage ich mir manchmal, daß die Natur eben auch nicht fehlerfrei ist. So genial es auch ist, daß aus einer Eizelle und einer Samenzelle so etwas Komplexes wie ein Mensch entsteht, um so mehr wird mir auch klar, daß dabei auch Fehler passieren können. Hart ist nur, daß es ausgerechnet mich getroffen hat, aber ich stehe ja nicht alleine da.

Manchmal mache ich leider die Erfahrung, daß Außenstehende hilflos mir gegenüber dastehen und nicht wissen was sie sagen sollen, schweigen oder geben auch teils nicht gerade sehr hilfreiche Kommentare. Dabei ist es aber so wichtig für mich, das man mir einfach zuhört, und mich meine Geschichte erzählen läßt. Das tut mir gut und ich kann der Umwelt mitteilen, daß meine Tochter existiert hat.

Viele sagen, es wäre für mich schlimmer gewesen, wenn man das Baby hat schon aufwachsen und schreien sehen. Auch wenn der Schmerz natürlich überhaupt nicht meßbar ist, kann ich hierzu sagen, daß ich nie eine Chance hatte mein Kind lebend in den Armen halten zu können und meine Gefühle ausleben zu können. Ich habe noch so viel Liebe für Belinda in mir, die ich ihr gerne geschenkt hätte. Aber das ging nicht mehr. Ich hoffe das hiermit andere einsehen, daß solch eine Aussage völlig falsch ist. 

Auch Gary, der Vater von Belinda, trauert natürlich auf seine Weise um Belinda. Leider redet er nicht viel von ihr. Ich glaube Männer verarbeiten soetwas eben anders. Er tut ihm weh, wenn er mich weinen sieht. Dabei erkläre ich ihm immer wieder, daß es mir hilft meinen gefühle rauszulassen. Na ja, leider gibt es dadurch auch Konflikte in der Beziehung, aber im Großen und Ganzen hat uns der Schicksalsschlag doch enger zusammengebracht. Es wird einem bewußt, wie wichtig es ist den anderen Partner noch zu haben. Das allein tröstet ungemein.

Was mir sehr hilft, ist ein Trauerseminar bei Verein Tabea e.V. (Berlin und Lüneburg) Dort finden 5 Gruppentreffen mit anderen verwaisten Babyeltern statt. Erst einmal ist es gut das man sich mit anderen Betroffenen austauschen kann und sich dort richtig verstanden fühlt und andererseits wird man dort richtig animiert "Trauerarbeit" zu leisten: über das Geschehene zu sprechen, über den Stand in der Trauerarbeit an den jeweiligen Terminen zu sprechen, Gefühle in Worte fassen un aufschreiben bzw. aufmalen, Erfahrungen und Umgang mit Nichtbetroffenen etc. Es ist zwar schon sehr anstrengend dieses Seminar, da man sich wirklich mit dem Schicksalsschlag auseinandersetzten muß, aber danach fühlt man sich wirklich besser. Man hat irgendwie sein ganzen Gedankenwirrwarr mal in eine Ordnung gebracht. Ich denke eine gute Basis für das Weiterleben. Ich kann nur jedem empfehlen, wenn die Möglichkeit besteht, an so einem Trauerseminar teilzunehmen.

Was auch toll ist das Tabea e.V. einen Rückbildungsgymnastikkurs für verwaiste Babymütter anbietet. Der Kurs wird von einer selbständigen und selbstbetroffenen Hebamme geleitet. Der erste Teil des Treffens besteht aus einem gemütlichen Beisammensitzen und Teetrinken mit anderen betroffenen Frauen. Dabei kann man sich austauschen und seine jeweilige Gefühlslage darstellen und dabei Trost finden. Der zweite teil besteht dann aus der Gymnastik, die sehr enspannend ist. Ich denke sportliche Betätigung ist eh das Beste was man jetzt für Körper und Seele tun kann. Mein Frauenarzt hatte mit zwar ein Rezept für Einzelgymnastik bei einem Krankengymnast mitgegeben, da ich es jetzt bestimmt nicht ertragen hätte zusammen mit anderen Müttern und ihren Babys rumzuturnen, aber ich bin doch froh das es diesen Kurs gibt. Ich hoffe sowas findet auch außerhalb Berlins für Verbreitung.

                                                                                           

                                                                         ICH KANN NIT MEHR

                                                                         Mit Hoffnung mich erquicken.

                                                                         Mich will die Last erdrücken,

                                                                         Sie ist zu schwer.

                                                                         Kein Trost macht mich genesen.

                                                                         Es bleibt, wie es gewesen.

                                                                         Ich kann nit mehr.

                                                                         (Anton Ulrich)

                                                                                                   

Aus dem Buch "Beim ersten Kind kam alles anders" von Brigitte Flieger:

Eine Freundin sagte:

"Wenn dein Kind stirbt, ist ein Teil von dir selbst gestorben. Es ist auch ein Stück eigener Tod, der verarbeitet werden muß."

Es ist nicht nur ein Stück eigener Tod, sondern es ist ein dreifacher Tod. Ich betrauere ein Stück meines Todes, ein Stück von Daniels (Vater des Kindes) und den Tod meines Kindes. Außerdem mußte ich auch physisch wieder zu Kräften kommen. Die Schwangerschaft, der Geburtsstreß, der hohe Blutverlust, all das hatte mich sehr geschwächt. Und dann war noch etwas da, ganz tief in mir, das gefühl, daß mir nichts auf der Welt jemals so nahe gestanden hatte wie das Kind. Nichts ist einer frau so eng verbunden wie das Kind, das sie im Bauch trägt. Dieses wieder loszulassen ist so verdammt schwer.

 

                                                                                                                 

 

                                                                         

                                                            Unendlich ist der Schmerz                                                                                                                                                    

                                                           Unendlich und überwältigend                    

                                                           sind Schmerz und Verzweiflung.                

                                                           Ich fühle mich gelähmt, verloren,                                 

                                                           nicht zu dieser Welt gehörig.                    

                                                           Gefangen in meinem Körper                       

                                                           weiß ich nicht,            

                                                           ob ich noch sein kann.        

 

                                                           Erschöpfung

                                                           Erschöpfung überflutet mich jetzt

                                                           in einem Meer endloser Tränen

                                                           Ein schmerzendes Herz,

                                                           müde, geschwollene Augen,

                                                           Schwere in der Brust,

                                                           schwer beladen

                                                           mit nichts als Leere.

 

                                                           Leere und Erschöpfung

                                                           sind meine ständigen Begleiter.                       

                                                                

                                                            Sein - einfach sein

                                                            Es hört nicht auf.

                                                            Wie könnte es auch enden?

                                                            Ich bin so voller Trauer,                                 

                                                            während ich lerne,                                          

                                                            wieder zu leben.

                                                           

                                                                           Ich muß aushalten.

                                                                           Ich muß überleben.

                                                            So müde und so voller Trauer.

                                                           

                                                            Ich kann aushalten.

                                                            Ich kann überleben.                             

                                                            Sein, einfach sein, so voller Trauer.

                                                            

                                                            Ich werde aushalten!

                                                            Ich werde überleben!          

                                                            

                                                             Gebrochenes Herz - schmerzende Seele

                                                            Der Schmerz, den ich fühle,       

                                                            ist wie das Meer.

                                                                

                                                            Das Brechen meines Herzens

                                                            ist wie das Brechen der Wellen.

                                                              

                                                            Das Schmerzen meiner Seele 

                                                            ist wie Ebbe und Flut.

                                                             

                                                            Meine Tränen werden verdeckt

                                                            wie der Sand durch das Meer.

                                                            

                                                            Mein gebrochenes Herz -

                                                            meine schmerzende Seele.

               

(Foto und Texte aus dem Buch "Unendlich ist der Schmerz..." von Julie Fritsch/Sherokee Ilse)

                                                               

 

Etwas zum Nachdenken:

Mütter gesunder und lebendiger Kinder werden regelrecht gefeiert. Mütter kranker oder verstorbener Kinder werden oft gemieden. Dabei sollte man sich die folgende Frage stellen: Haben diese Mütter weniger geleistet? Wird vergessen, daß sie unter denselben Geburtswehen lagen? Diese Mütter bleiben oft allein mit ihrem Verlust, Kummer und Schmerz. Das müßte nicht so sein, wenn andere ihr Trost spenden würden und sie eben nicht meiden würden.

                                                                            

Hier noch ein Bericht aus der Zeitschrift "family" Nr.4/95 von Annette Bornemann, Leiterin der Beratungsstelle des TABEA e.V., der mir sehr gut gefallen hat. Der Bericht spendet nicht nur Betroffenen Trost, sondern zeigt auch Nichtbetroffenen, wie man mit solch einer Situation und mit den Trauernden umgeht.

Wenn Kinder vor den Eltern sterben ...  verwaiste Eltern

Segen der Trauernden

Gesegnet seien alle, die mir jetzt nicht ausweichen. Dankbar bin ich für jeden, der mir zulächelt und mir seine Hand reicht, wenn ich mich verlassen fühle.

Gesegnet seien die, die mich immer noch besuchen, obwohl sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen.

Gesegnet seien alle, die mir zuhören, auch wenn das, was ich zu sagen habe, sehr schwer zu ertragen ist.

Gesegnet seien alle, die mir erlauben, von dem Verstorbenen zu sprechen.

Ich möchte meine Erinnerungen nicht totschweigen.

Ich suche Menschen, denen ich mitteilen kann, was mich bewegt.

Gesegnet seien alle, die mich nicht ändern wollen, sondern geduldig so annehmen, wie ich jetzt bin.

Gesegnet seien alle, die mich trösten und mir zusichern, daß Gott mich nicht verlassen hat.

Marie-Luise Wölfing

 

Ferienzeit, Familienzeit, Festezeit, Familienphotos, die ganze Familie ist zusammen. So wird es für viele Eltern und ihre Kinder nie mehr sein, denn das Unvorstellbare ist zur grausamen Wirklichkeit geworden. Mein Kind ist tot!   Diesen Satz müssen jedes Jahr neu knapp 20.000 Elternpaare in Deutschland mit Kindern im Alter bis zu 25 Jahren verstehen, aushalten und aussprechen lernen. Sie sind zu "Verwaisten Eltern" geworden. Auch die Geschwisterkinder sind in tiefe Trauer gestürzt, zudem gerät oft durch den Tod von Schwester oder Bruder das Gefüge ihrer zurückbleibenden Familie ins Wanken.

Die Familienkrise

Vater, Mutter, ältere Geschwister erleben jeder für sich eine tiefe (Lebens-)Krise. Das Widernatürliche, der Tod eines Kindes vor seinen Eltern, stellt das ganze Lebensgefüge aller Hinterbliebenen einzeln und als ganze Familie in Frage. Bisherige Werte und Normen gelten nicht mehr, Zukunftshoffnungen und -erwartungen sind zerstört. Fragen nach Schuld, vergebung, dem Sinn des Lebens im allgemeinen und nun besonders dem "Sinn des Weiterlebens ohne mein Kind" brechen auf.

Jedes Familienmitglied beantwortet diese Fragen anders, und jeder Mensch trauert auch anders - seiner Persönlichkeit entsprechend. Oft versteht ein Familienmitglied nicht mehr das andere, die bisherige gemeinsame Basis schwindet dahin. Und am Ende ihrer körperlichen und seelischen Kräfte angelangt, können die Eltern weder sich gegenseitig stützen oder trösten - über die Hälfte der Partnerschaften zerbricht! -, noch können sie ihren Kindern, den trauernden Geschwistern, die Geborgenheit und Aufmerksamkeit geben, die diese gerade jetzt besonders bräuchten.

Viele Familien geraten zudem immer mehr in die Isolation, weil sich Freunde und Bekannte oft hilflos zurückziehen. Oder die Familie zieht sich selbst zurück, weil die (gutgemeinten) Erklärungen, Vertröstungen und Ratschläge sie geradezu "erschlagen". Viele Trauernde fühlen sich von Gott und der Welt verlassen. Muß das so sein ?

Unsere Reaktion

Jeder von uns hat sich wohl schon trauernden Menschen gegenüber unsicher gefühlt:

.Was ist eigentlich Trauer, wie läuft sie ab?

.Was ist hilfreich in der Begegnung mit Trauernden?

Das sind Fragen, die uns als Außenstehende ebenso betreffen, wie als seelsorgerlich Begleitenden - und zuallererst, auch wenn wir das häufig verdrängen, uns selbst als mit Verlust und Trauer konfrontierten Menschen und Christen: Jeder Mensch ist von seiner Geburt bis zu seinem Sterben immer wieder von persönlichen Verlusten, nachfolgenden Krisen und somit auch von Trauer betroffen.

Wie wir bisherige Verluste erlebt und durchlebt haben, ob und wie wir getrauert haben, prägt unser jetziges Fühlen, Denken, Handeln - und auch entscheidend unsere Beziehung zu Gott. Es hat Auswirkungen darauf, wie wir mit neuer Trauer umgehen, sowohl der eigenen als auch der anderer Menschen. Denn: Was ich bei mir selbst nicht zulassen kann-z.B. Weinen,Klagen,Zweifel -, kann ich auch bei anderen nicht zulassen bzw. aushalten.        

Der Tod eines nahen Angehörigen ist immer ein schmerzlicher Verlust. Der Tod eines Kindes ist besonders furchtbar und wird oft als das "Schlimmste, was mir passieren könnte" beschrieben. Viele reagieren äußerst hilflos. Helfen kann uns, wenn wir mehr wissen über dieses Problem.

Trauer allgemein

Trauer ist zunächst eine gesunde und biblische Reaktion auf einen erlittenen Verlust. Sie betrifft den Menschen in all seinen Bereichen: seelisch, körperlich, geistig/geistlich und sozial mit einem oder mehreren zum Teil wechselnden Schwerpunkten. Trauer wird durch verschiedene Faktoren beeinflußt, z.B. die innere und äußere Nähe zum Verstorbenen, die Art seines Todes (natürlich, plötzlich, erwartet), bisherige Trauererfahrungen, soziale Unterstützung, die persönliche Beziehung zu Gott ...

Trauer um einen nahestehenden Menschen dauert lange: Die Hälfte der Hinterbliebenen klagt noch nach über einem Jahr über seelische und psychosomatische Beeinträchtigungen. Trauer verläuft bei den meisten Menschen in ähnlichen Prozessen, mit ähnlichen Gefühlen, Gedanken, Reaktionen und Erfahrungen. Und trotzdem: Trauer ist individuell, da jeder Mensch einzigartig geschaffen ist und mit seiner charakteristischen Persönlichkeit in unterschiedlichen Lebenszügen lebt.

Der Trauerprozeß

Der individuell unterschiedliche Trauerprozeß verläuft nicht geradlinig, sondern in wechselnden Phasen. Kinder und Jugendliche trauern zudem nicht durchgängig. Ihre Trauerzeit ist immer wieder unterbrochen von "normalen" Zeiten.

Für Erwachsene und Kinder gilt: Einer zum Teil wochenlangen Zeit des Schocks und des "Nebels", während der das ganze Ausmaß der Katastrophe noch gar nicht erkannt werden kann (was einerseits barmherzig ist, andererseits meist falsch verstanden wird als: "Die halten sich aber gut, die haben es verkraftet und werden alleine (!) damit fertig") - folgt die Zeit der unterschiedlichsten Gefühle von größter Intensität und auch Agressivität. Das ängstigt die Betroffenen und ihre Umwelt gleichermaßen. Diese Gefühle, z.B. Wut, Angst, Schuld, Selbstbeschuldigungen und extreme Sehnsucht gehören zum Trauerprozeß und dürfen weder unterdrückt noch verurteilt werden. Stattdessen braucht der trauernde Mensch ebenso intensive wie liebevolle Seelsorge. Alle Trauernden, Erwachsene wie Kinder, müssen vier Traueraufgaben bewältigen:

1. Der Verlust muß bewußt als Realität akzeptiert werden und zumindest für dieses Leben auch als endgültig.

2. Der seelische und körperliche Trauerschmerz muß zugelassen und durchlebt werden. Er darf nicht verdrängt, verkleinert oder betäubt werden.

3. Trauernde müssen sich willentlich an eine Umwelt anpassen, in der der verstorbene Mensch fehlt, d.h. sie dürfen sich nicht von der Welt und ihre Anforderungen zurückziehen.

4. Die letzte und meist schwierigste Aufgabe besteht darin, sich emotional von dem Verstorbenen zu lösen und die freigewordene Energie in neue Beziehungen hineinzugeben.

Dabei ist es wichtig zu bedenken, daß auch Menschen, deren Glaube nicht wankt und deren Hoffnung in der zukünftigen Welt begründet ist, trotzdem den Trauerprozeß und auch die Qualen dieser Welt durchleben müssen und darin Unterstützung, Begleitung und Trost brauchen.

Kennt Gott Trauer?

Jesus ist Gottes Sohn, das wissen die meisten. Aber wissen sie auch, daß Gott, unser Vater im Himmel, ein trauernder Vater ist? Sein Sohn Jesus, in der heiligen Nacht geboren, starb am Karfreitag-Nachmittag. Er starb keinen natürlichen Tod, auch keinen plötzlichen, sondern langsamen, qualvollen. Er starb an den Folgen von Folter und Kreuzigung. Gott Vater hat seinen eigenen Sohn Jesus leiden und sterben sehen.

Gottes Schmerz und Trauer um seinen Sohn war so groß, daß es mitten am Nachmittag dunkel wurde in dieser Welt. Finster!

Jesus selbst, ganz Gott und ganz Mensch, hat all die Abgründe des menschlichen Leids und der menschlichen Trauer erlebt, durchlebt und in seine Gottheit aufgenommen. Der Heilige Geist, den Jesus in seinen letzten Gesprächen vor seinem Sterben als umfassenden Tröster und Begleiter angekündigt hat, erfaßt mit seiner großen Sensibilität nicht nur den taruernden, leidenden Menschen, sondern auch alle seine heilungsbedürftigen Beziehungen. Ja, Gott kennt Trauer!

Gott tröstet

Trost ist, solange es den Menschen gibt, eines seiner Grundbedürfnisse in allen Leid- und Krisensituationen. Trostbedürftigkeit hat viel mit Verlassensein, Ungeliebtsein, Hoffnungslosigkeit und seelischer Verletztheit zu tun.

Die Bibel berichtet uns von einem Menschen, der dies so ausdrückt: Ich warte, ob jemand Mitleid habe, aber da ist niemand, und auf Tröster, aber ich finde keine. (Psalm 69, 21)

Viele Menschen sind um diesen Trostsuchenden herum, aber sie wollen oder können ihn nicht trösten. In seiner Not ruft und betet dieser Mensch zu Gott. Weil Gott selbst traurig war, versteht er Leid. Ja, er bietet sich sogar selbst als Tröster an.

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jes. 66, 13)

Was heißt das, Gott tröstet wie eine Mutter? Eine Mutter tröstet dadurch, daß sie ihr trauriges Kind in die Arme nimmt. Sie wartet nicht, bis es sich wieder von alleine beruhigt hat. Sie schenkt ihm gerade jetzte ihre gesamte Aufmerksamkeit, umgibt es mit Liebe und Wärme, versteht seinen ganzen Kummer. Dadurch überwinden sie Verlassenheit und das Sich-Ungeliebtfühlen. Sie vermittelt durch Liebe neue Hoffnung und Mut zum Weiterleben.

Und genauso möchte der lebendige Gott trösten: Als persönliches Gegenüber, das dem trauernden Menschen in seiner Trostlosigkeit selbst entgegenkommt und als der, dem alle Verletztheit gezeigt und gebracht werden darf. Er erträgt alles Klagen, Weinen und Zweifel. Und wenn Gott dem leidenden Menschen durch seinen Heiligen Geist mit seiner Liebe an dem tiefsten Punkt begegnet und anrührt, dann geschieht wahre Tröstung und Heilung der inneren Verletztheit. Sein Trost stärkt zudem das Selbst und setzt den Trauernden frei zu einem veränderten Weiterleben - hier in dieser Welt. Gott tröstet hier und heute, er tröstet persönlich und konkret.

Wie können wir verwaisten Eltern hilfreich begegnen?

Indem wir als Menschen, die selbst Verlust und Trauer in unserem Leben kennen und nicht verdrängen und darin Gottes Nähe und Trost erfahren haben, auf sie zugehen, ihnen unsere aufrichtige Teilnahme und Fürsorge entgegenbringen und sie innerlich im Gebet und äußerlich schützend in unsere Mitte nehmen. Dabei ist wichtig zu wissen, daß die verwaisten Eltern in den ersten Wochen und Monaten Tag und Nacht mit ihren Gedanken um das Sterben des Kindes kreisen, um das "Vorher" und das, was nun nie mehr sein wird. Das heißt, es können durch das Ansprechen keine Wunden augerissen werden, die am Verheilen sind; stattdessen tut ihnen das Sprechen gut.

Seien sie mutig:

  Gehen Sie auf Trauernde zu. Sprechen Sie sie (diskret) an.

  Hören Sie ihnen zu. Schweigen und weinen Sie gemeinsam.

  Zeigen Sie durch Gesten, daß Sie an sie denken.

  Scheuen Sie sich nicht, den Namen des gestorbenen Kindes auszusprechen.

  Schenken Sie den trauernden Geschwistern Ihre besondere Aufmerksamkeit.

  Bieten Sie nur die (praktische) Hilfe an, die Sie auch wirklich leisten können. Halten Sie Versprechen!

  Weisen Sie sie aufGott als unseren Beistand und Tröster hin, stehen Sie fürbittend und fürglaubend

für sie  ein.

  Denken Sie an Gedenktage ...

Verwaiste Eltern und trauerndeden Geschwistern begegnen, sie begleiten - viele haben große Hemmungen davor. Oft ist es auch schwer. Aber: Gott stärkt uns, bevor er uns auf den Weg der Trauernden schickt, und wenn wir dort ankommen, ist er schon längst da - unser barmherziger Vater, der wie eine Mutter tröstet.

Segen

Gott will Trauernde trösten. Er segnet sie durch seine besondere Nähe.

Gottes Segen für die Menschen, die sich trauen, Trauernde zu begleiten, hat Marie-Luise Wölfing, eine verwaiste Mutter am Anfang des Textes formuliert.

Annette Bornemann                                        

 

                                                                                                                

                                                              

 

                                                                             Ende am Anfang

                                                              Wenn du verlierst wofür du gelebt hast

                                                              tritt neben dem Schmerz Stillstand ein.

                                                              Nimm dir Zeit zum Trauern,

                                                              aber schließe nie zulange die Augen im Schmerz,

                                                              sonst kannst du nicht sehen,

                                                              wofür es erneut lohnt zu leben.

                                                              (Kristiane Allert-Wybranitz)

 

                                                                                                   

 

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